🌱 Anbau & Forschung
đź’§ Transpirationsbasierte Fertigation ist technisch deutlich interessanter als fixe EC-Rezepte
Die aktuell relevante Cannabis-Arbeit von Powell und Bauerle modelliert die Nährstoffaufnahme zweier Cultivare anhand des tatsächlichen Wasserverbrauchs der Pflanze. Dabei zeigten sich deutliche cultivar- und zeitabhängige Unterschiede bei N, P und K.
Beispielsweise bewegte sich die gemessene Stickstoffaufnahme abhängig von Cultivar und Entwicklungsstand ungefähr zwischen 78 und 155 mg/L, Kalium zwischen rund 111 und 216 mg/L.
Der entscheidende Punkt ist nicht die konkrete Zahl, sondern die Methode:
Wasserverbrauch → Nährstoffentzug → bedarfsgerechte Nachführung.
Statt:
„Veg = EC 2,2 und Rezept X.“
Praktische Perspektive
Eine fortgeschrittene Steuerung könnte kombinieren:
Bewässerungsvolumen + VWC + Transpiration + Drain-EC + Cultivar
und daraus Nährstoffmengen ableiten.
Das ist wesentlich näher an echter Mass-Balance-Fertigation als klassische EC-Steuerung.
Chance: weniger Salzakkumulation, effizienterer DĂĽngereinsatz, cultivar-spezifischere FĂĽhrung.
Risiko: Die Modelle mĂĽssen fĂĽr das jeweilige Substrat, Root-Zone-Volumen und die Genetik validiert werden.
🌿 Silicon: interessant – aber deutlich schlechter untersucht als viele Hersteller suggerieren
Eine aktuelle 2026er Review fasst erstmals gezielt die Cannabis-spezifische Evidenz zu Silizium in der Fertigation zusammen. Die Autoren kommen im Kern zu dem Ergebnis, dass Silizium bei Cannabis potenziell nĂĽtzlich ist, die belastbare Cannabis-Datenbasis bislang aber noch relativ klein und ĂĽber verschiedene Systeme verteilt ist.
Das ist eine wichtige Einordnung, weil Siliziumprodukte im Grow-Markt oft beinahe als Standardkomponente dargestellt werden.
Praktische Konsequenz: Silizium kann sinnvoll sein, sollte aber genau wie andere Inputs anhand von Kontrollgruppen bewertet werden:
mit Si vs. ohne Si → Ertrag → Qualität → Pflanzenstruktur → Kosten.
Nicht einfach:
„Silizium gehört grundsätzlich in jeden Grow.“
Forschung: Cannabis bei Essstörungen
Am 3. September 2026 wurde im Journal of Eating Disorders eine neue peer-reviewte Studie veröffentlicht. Sie analysiert Cannabiskonsum bei 5.383 Personen mit Essstörungen oder problematischem Essverhalten.
Von ihnen hatten:
56,1 % Cannabis im vergangenen Jahr konsumiert,
davon waren etwa 42 % tägliche Nutzer.
Besonders häufig wurde Cannabis von Menschen mit ARFID genutzt, während Personen mit Anorexia nervosa Cannabis etwas seltener verwendeten.
Interessant – aber sehr vorsichtig interpretieren
Viele Teilnehmer berichteten subjektiv ĂĽber Verbesserungen von:
- Appetit,
- Essstörungssymptomen,
- allgemeinem psychischem Wohlbefinden.
Gleichzeitig hatten tägliche Cannabiskonsumenten häufiger zusätzliche psychische Erkrankungen und konsumierten häufiger andere nicht verschreibungspflichtige Substanzen.
Das Entscheidende:
Diese Studie ist keine randomisierte TherapieprĂĽfung. Sie basiert auf Selbstangaben.
Daraus lässt sich also nicht ableiten:
„Cannabis behandelt Anorexie.“
Aber sie liefert einen starken Hinweis darauf, welche Patientengruppen und Symptome in kontrollierten klinischen Studien untersucht werden könnten.
🧬 Forschungs-Chance: Indikationsspezifische Cannabinoidprofile
Gerade bei solchen Studien wird ein grundsätzliches Forschungsproblem sichtbar.
„Cannabis“ ist kein einheitliches Arzneimittel.
Die Teilnehmer verwendeten:
BlĂĽten + Edibles + Vapes + Ă–le
mit sehr unterschiedlichen THC-/CBD-Profilen.
Damit wird es schwer zu beantworten, welcher Bestandteil tatsächlich einen Effekt verursacht.
Die nächste wissenschaftliche Stufe muss deshalb stärker untersuchen:
Indikation → Cannabinoidprofil → Dosis → Applikationsform → Outcome.
Das ist auch wirtschaftlich interessant.
Langfristig dürfte sich medizinisches Cannabis stärker von:
„Strain X mit 28 % THC“
zu:
standardisierten indikationsorientierten Präparaten
entwickeln.














